Die Dom- und Kaiserstadt Fritzlar: Eine kurze Stadtgeschichte

Denkmal Hl. Bonifatius, künstlerisch gestaltet von Ubbo Enninga

Das Hochzeitshaus gilt als der größte Fachwerkbau Nordhessens

Die Gründung der Stadt Fritzlar führt auf das Werk des Heiligen Bonifatius zurück, eines angelsächsischen Missionars, der unter anderem wegen seines Wirkens in unserem Raum als Apostel der Deutschen bezeichnet wird. 723 fällt Bonifatius nahe Fritzlar eine dem germanischen Gott Donar geweihte Eiche, aus deren Holz er eine kleine, dem heiligen Petrus geweihte Kapelle erbauen lässt und gründet hier ein Benediktinerkloster. An Stelle des noch bescheidenen Holzkirchleins errichtet der von Bonifatius in Fritzlar eingesetzte Abt Wigbert 731/732 eine Steinkirche und gründet hier die erste Klosterschule in Hessen, die zum Ausgangspunkt der Missionierung wird.
Die ursprüngliche Bedeutung des Namens Fritzlar oder wie es im Mittelalter hieß, Friedeslar, könnte auf bonifatianische Zeit zurückgehen, denn die Petri-Kirche wurde als pacis doctrina, d. h. friedenslehr (Friedeslar) bezeichnet.

Wie alle von Bonifatius in Hessen gegründeten Klöster nimmt Karl der Große. auch Fritzlar in königlichen Besitz und baut eine Pfalz, die vermutlich westlich des Domes lag. Nach dem Tode Konrads I., des letzten Königs aus fränkischem Hause, wird 919 der Sachsenherzog Heinrich "der Vogler" bei einer Reichsversammlung in Fritzlar zum König erhoben.

Unter Heinrich I. und seinen sächsischen Nachfolgern wird Fritzlar eine bedeutende Stätte des deutschen Reiches. 21 Kaiserbesuche, 8 große Kirchenversammlungen erlebt die Stadt. Besonders die Kaiser Otto der Große, Heinrich III. und Heinrich IV. weilen oft in diesem verkehrsgünstig gelegenen Ort und machen ihn zum Schauplatz der Reichspolitik.

Durch den Übergang der Stadt aus königlichem Besitz in den des Erzbischofs von Mainz unter Kaiser Heinrich IV. findet dieser wichtige Abschnitt in der Geschichte Fritzlars sein Ende. In diese Zeit (1079) fällt auch die zweite große Zerstörung durch einen sächsischen Angriff. Der schwerbeschädigte Dom bleibt bis zum Wiederaufbau durch den neuen Stadtherrn um 1100 Ruine.

Die zentrale und beherrschende Stellung der Stadt im nordhessischen Raum bestimmt aber auch weiterhin ihr Schicksal. Sie wird zum Zankapfel zwischen dem Erzbistum Mainz und der aufstrebenden Landgrafschaft Hessen. Bei den sich dadurch ergebenden Kämpfen wird Fritzlar 1232 in einer Fehde des Landgrafen Konrad von Thürigen mit dem Erzbischof von Mainz zum dritten Mal zerstört. Beim Wiederaufbau wird die teilweise bis heute erhaltene Stadtmauer erweitert und verstärkt. Von ehemals 23 Wehrtürmen sind heute noch 9 erhalten.

Die Reformationszeit bringt wieder Kämpfe. Mit Ausnahme des Stiftes bekennt sich fast die ganze Stadt zeitweilig zur neuen Konfession, jedoch kommt Fritzlar durch den Augsburger Religionsfrieden 1555 wieder unter kurmainzische Verwaltung. 1631 wird die Stadt vom Landgrafen von Hessen erobert. Im Jahre 1640 kam das kaiserliche Heer, geführt vom Bruder des Kaisers, Erzherzog Leopold Wilhelm und dem Fürsten Marschall Piccolomininach Fritzlar und besetzte die Stadt am 14. August. Wenige Tage später, am 20. August, war das schwedische Heer unter General Banner aus Richtung Kassel herangerückt. Es kam zu blutigen, für die Schweden verlustreichen Einzelgefechten, aber nicht zur entscheidenden Schlacht. Nachdem beide Heere wieder abgezogen waren, wird Fritzlar wieder von hess. Truppen besetzt. 1646 verbrennt die Hälfte der Häuser und von der Bevölkerung bleibt nur ein Sechstel am Leben.

Der Westfälische Frieden bestätigt aber die Mainzer Herrschaft in Fritzlar, das bis zur Säkularisation des Erzbistums und seiner Ämter, dessen Verwaltungsmittelpunkt in Hessen bleibt.

Im Reichsdeputationshauptschluss 1803 fällt dann Fritzlar an Hessen. Im Zuge der Säkularisation (Einziehung und Verweltlichung kirchlicher Besitzungen) werden auch das Stift und das Minoritenkloster aufgelöst.

Im 19. Jahrhundert verliert Fritzlar immer mehr von seiner früheren Bedeutung und sinkt zu einem Ackerbürgerstädtchen herab. 1866 kommt es mit Kurhessen zu Preußen. Seine Glanzzeit mit ihren kirchlichen und politischen Höhepunkten ist längst vorüber. Nur Gebäude und erhebliche Reste - so ist die Stadtmauer bis auf ca. 100m noch rund um die Stadt vorhanden – der Befestigung zeugen von seiner Geschichte und ehemaligen Bedeutung. Teile davon werden zwar noch im Laufe der Zeit vernichtet, verdorben oder dem Verfall preisgegeben. Infolge der bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnisse behielt die Stadt jedoch fast unversehrt den Rahmen ihres mittelalterlichen Stadtbildes.
Auch die beiden Weltkriege übersteht Fritzlar ohne Zerstörungen. Die mangelnde Achtung der geschichtlichen Zeugnisse im 19. Jahrhundert konnte durch bewusste Pflege des historischen Stadtbildes weitgehend ausgeglichen werden.

 

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